Es ist nicht leicht, Single zu sein. Man steht morgens auf, allein. Man duscht, allein. Man frühstückt – also in meinem Fall, man trinkt Kaffee – meist allein. Man geht seinem Tagewerk nach, kommt nach hause, allein. Irgendwann geht man ins Bett, auch das meist allein. Gut, das ein oder andere Mal nimmt man einen Spielgefährten mit, nur so zum Spaß. Aber im Grunde seines Herzens bleibt man auch dann allein, selbst, wenn man gemeinsam kommt.
Vielleicht sollte ich mir endlich einen Hund anschaffen. Patricia und Johst hatten jetzt auch einen, saß unterm Weihnachtsbaum – eine kleine Sie. Die kleine Sie darf jeden Abend zu Johst ins Bett. Und Patricia? Die schläft nebenan, im Gästezimmer. Ist ja nur vorübergehend, bis die kleine Sie größer ist, so in drei bis sieben Jahren.
Also, neues Jahr, neues Glück, so heißt es doch, und so zog ich los, mir einen kleinen Er zu suchen. Einen mit `nem süßen Schwänzchen. Einen mit `nem treuen Blick. Der konnte ruhig einen Kugelbauch haben und Schlappohren, Glubschaugen und dicke Pfoten. Einen, der nur mir gehörte. Einen, der mich liebte und das jeden Tag. Guter Plan für ein gutes Jahr!
Zunächst kam ich bis zu meinem Bücherregal. Irgendwo musste mein altes Hundebuch stehen. Frau sollte schließlich vorbereitet sein. Okay, wie sollte er also aussehen, mein Zukünftiger. Mal sehen: Ein bisschen exotisch, vielleicht. Schön? Natürlich! Und auf jeden Fall sportlich. Oder nur elegant? Aber nicht zu groß. Und pflegeleicht bitte, also was Kurzhaariges. Ich blätterte. Das erste Bild, ein Basenji – klang sehr exotisch. Sah aber aus wie eines dieser komischen Wüstentiere aus albernen Männerfilmen. Wüst ist ja ganz nett, aber so? Nein, kein Basenji. Den müsste ich eh erst aus Afrika importieren. Zu kompliziert. Lieber was heimisches. Deutscher Boxer. Hm, erinnerte mich ein wenig an Knut. Knut aus dem Spezialgeschäft. Nein, so ein Boxer sabbert irgendwann. Sabbernde Männer sind mehr als unästhetisch. Kein Boxer. Da, Bracken und Schweißhunde. Sehr hübsch, wirklich. Aber die Namen? Klangen nach abgestandenem Wasser mit toten Fischen und stinkenden Tennissocken unterm Bett? Keine gute Idee. Ich blätterte weiter. Wie wäre es mit dem Typ Aristokrat – vornehm, sehr elegant, very britisch. Also ein Windhund. Kenne ich nur zu gut, sind schön aber unendlich dumm. Nein, weiter. Blieb noch Typ Macho, frech und draufgängerisch. Nein, besser keinen Spitz. Die beißen sich in jeder knackigen Wade fest. Vielleicht doch einen Mops? DER Modehund schlechthin. Hmm, wollte ich das, ein Hund wie von H&M? Ich bin schließlich Individualist. Sollte mein Hund also auch sein. Außerdem wollte ich Liebe auf den ersten Blick, keine Liebe aus dem Katalog. So ging das nicht.
Weg mit dem Buch. Kurz überlegt, ha, Tierheim! Kurz inne gehalten. Sollte ich wirklich einen Second-Hand-Hund nehmen? Einen, den schon vor mir jemand probiert hatte und nicht wollte. Einen, der schon mal ein anderes Frauchen liebte. Nee. Ich wollte was Eigenes! Vielleicht aus der Zoohandlung? Doch da war die Herkunft oft mehr als fraglich. Schließlich wollte ich den Kerl für den Rest meines Lebens. Besser, seines Lebens. Scheiße, ist das kompliziert. Ich hatte es: Züchter. Ach du meine Güte, und wo fange ich da an? Die lange Nacht des Googelns begann. Und so stieg ich ein in die Welt der Hundezüchter, durchwanderte Seite um Seite. Klickte hier und klickte dort… gähnte und dann, einige Stunden und etliche Kaffees nebst Berliner Weiße mit Schuss später, da war er plötzlich, direkt vor mir. Ich hatte ihn gefunden, die Liebe meines Lebens in zartem Fauve mit schwarzer Schnute: Bruno.
Sofort wählte ich die angegebene Nummer. Den musste ich haben, kostete es, was es wolle. Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine verschlafen wirkende und etwas mürische Stimme. Mürrisch aber – ach Sch****, ich sag’s wie es ist – also irgendwie sexy. Klang vielversprechend. Kurzer Blick auf die Uhr. Halb Vier Uhr morgens. Genau die richtige Zeit für Telefonate mit Welpeninteresse. Fand nicht so mein Gegenüber. Na ich jedenfalls war wach. Er jetzt auch, wie er stark betonte. Egal. „Ich würde ihn gern mitnehmen… Ja natürlich um die Uhrzeit… Nicht? Kommende Woche? Auch gut… Ja, das finde ich schon… wunderbar!“
Ha, so einfach war das also. Nächste Woche sollte ich Bruno treffen. Ach so, Bruno ist übrigens ein echter Franzose. Hatte ich das erwähnt? Nein? Und adlig noch dazu. Bruno von Prinzenstein. Klang das nicht wunderbar? Ich war verliebt. Verliebt in Brunos Bild und Herrchens Stimme.
Fortsetzung folgt…